Archiv für den Monat Februar 2011

Eine Konzertkirche? Mitnichten!

Frau Dr. Meyer schreibt:

Immer wieder mal werde ich vorwurfsvoll mit der Behauptung konfrontiert: „Die Friedenskirche soll Konzertkirche werden“. Dieses Gerücht unterstellt sozusagen einen Geheimplan und suggeriert, die Kirche werde der Gemeinde entzogen. Nein, im Gegenteil: Die Neugestaltung mit der Stufenanlage ermöglicht der Gemeinde vielfältige, lebendige Gottesdienstformen unter Einbeziehung der blühenden Kirchenmusik. Und Konzerte mit geistlicher Musik ebnen heute vielen Menschen den Weg in die Kirche, eröffnen den Zugang zur biblischen Botschaft. Also: „Konzertiert“ wird auch zukünftig für die Gemeinde und mit der Gemeinde – zur Ehre Gottes!

 

Ein gutes Team!

Sie werden es gehört haben. Auf dem Weg zum Markt tönten ungewöhnliche Geräusche aus der Friedenskirche. Heute hatten die Pressluft- und Bohrhammer das Sagen: Der komplette Fussbodenbelag (Fliesen und Estrich) wurden entfernt. Ausserdem waren noch Bankpodeste abzusägen und auszubauen.

Es war viel, viel Stein, Staub und Dreck. Mit Gehör- und Mundschutz ausgestattet fanden sich auch heute wieder viele fleissige Hände, jung und alt, um durch Eigenleistungen die Renovierungskosten (signifikant) zu senken. Aber darum geht es den meisten nur am Rande. Alle wollen ‚dabei sein‘, sehen wie sich die wunderbaren Räume der Kirche vergrößern. Den Raum als Raum erleben, das ist eine gute Erfahrung.

Ohne die tatkräftige Hilfe der Firma Georg Klormann und seinen äußerst professionellen Mitarbeitern hätten wir wohl einige Wochenenden investieren müssen. Mit gutem Werkzeug und einer gehörigen Portion Tatkraft wurden die vielen Tonnen Gestein des Fussbodens gelöst. Viele Helfer schaufelten dies in Schubkarren und die bereitstehenden Container.

Die waren schnell voll, so dass der Rest sich in der Kirche stapelte, und erst im Laufe der nächsten Woche abtransportiert werden kann.

Kein Wunder, dass das Mittagessen mit grossem Apetit eingenommen wurde. Ein herzlicher Dank an alle ‚Versorger‘, es war lecker, vielfältig und – wie schön – sehr viel. Dank des schönen Wetters konnte sogar – im Februar – draußen gegessen werden!

Während noch die letzten Fliesen herausgenommen wurden, wurde auch das Stahlgerüst der Kanzel abgebaut. Das massive Gerüst hätte wohl noch 100 weitere Jahre jedem Sturm getrotzt, so solide ist es gebaut.

So konnten auch durch die vielen Einsatzstunden heute der Kirche signifikant Kosten gespart werden. Aber das ist wohl auch nur ein Teil der Motivation. Aus den Gesichtern alle Beteiligten ist zu sehen: Wir wollen dabei sein. Wir wollen sehen, wie das Neue wird. Wer sich so seine Kirche erarbeitet, der wird verändert. Es tut gut, nach einem solchen Tag seinen Körper zu spüren, er beflügelt den Geist.

Danke allen Helfern!

Die Moderne als Bedrohung?

„In unserer Kirche muss eine Debatten- und Streitkultur auf der Basis gegenseitigen Respekts entstehen. Wenn wir dazu unfähig sind, liefern wie ein weiteres Beispiel der Unglaubwürdigkeit unserer Reden, unserer Botschaften und der oft sehr rigorosen Forderungen und Erwartungen der Kirche an die Menschen. Was ist es dann wert, wenn wir von Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Würde des Menschen und vom ‚christlichen Menschenbild‘ reden? Wir müssen lernen, dass Meinungsverschiedenheiten und auch Streit in der Sache nicht eine Gefährdung der Kirche sind, sondern ein Weg des Heiligen Geistes für die Erneuerung und Weiterentwicklung. […] Es geht um den Geist der Auseinandersetzung. Wenn wir dies innerkirchlich nicht schaffen, haben wir auch der Welt nichts Glaubwürdiges mehr zu sagen.

Nein, kein Plagiat, sondern ein Zitat, entnommen der Süddeutschen Zeitung vom 25.2.2011. In der ‚Außenansicht‘ legt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, dar warum die (katholische) Kirche aufhören muss, die Morderne als Bedrohung zu verstehen.

Gilt dies nur die katholische Kirche? Liegt hier etwa der Grund dafür, warum viele, viele Menschen in Handschuhsheim nicht mehr verstehen, warum es seit nunmehr vier Jahren diesen unseligen Streit gibt?

Veränderung

Die Friedenskirche verändert sich. Unsere Gottesdienste werden sich dadurch verändern. Unser Gemeindeleben wird sich verändern. Macht uns das Angst?

Als kleine Anregung dies:

„Ein Strom wollte durch die Wüste zum Meer. Doch so schnell er auch in den Sand fließen mochte, seine Wasser wurden dabei aufgesogen und verschwanden. Da hörte er eine Stimme, die aus der Wüste kam und sagte: „Der Wind durchquert die Wüste, und der Strom kann es auch. Du musst dem Wind erlauben, dich zu deinem Bestimmungsort hinüberzutragen.“
„Aber wie soll das zugehen?“
„Indem du dich von ihm aufnehmen lässt.“
„Aber kann ich nicht derselbe Fluss bleiben, der ich jetzt bin?“
„In keinem Fall kannst du bleiben, was du bist“, flüsterte die geheimnisvolle Stimme. „Was wahrhaft wesenhaft an dir ist, wird fortgetragen und bildet wieder einen Strom“
Und der Fluss ließ seinen Dunst aufsteigen in die Arme des Windes, der ihn willkommen hieß, sachte und leicht aufwärts trug und ihn, sobald sie den Gipfel des Gebirges erreicht hatten, wieder sanft herabfallen ließ. Schöner und frischer als je zuvor.“

(Die Psychotherapeutin Luise Reddemann, nach einer alten Sufi-Weisheit)

So bitte nicht!

Ich freue mich, dass unser Blog so gut angenommen wird. Die Zahl der Besucher übersteigt seit zwei Wochen täglich die Marke von 120. Am heutigen Tage sogar die 400!

Als Administrator dieses Blogs muss ich jeden Kommentar explizit genehmigen. Ich habe bisher jeden (!) Kommentar zugelassen. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass die vielen Leute, die diesen Blog lesen nicht an Vorwürfen interessiert sind, die sich auf einzelne Personen, insbesondere Personen aus der Gemeindeleitung beziehen. Der Sinn dieses Forums ist die offene, namentliche und faire Veröffentlichung von Meinungen, Fragen, Anregungen etc. Die Gemeindeleitung nutzt diesen Blog ausserdem zur schnellen und aktuellen Information über die Kirchenrenovierung.

Persönliche Angriffe auf einzelne Personen werde ich zukünftig nicht mehr zulassen bzw. umgehend löschen. Blog-Einträge sind -wie Briefe auch – justiziabel.

Ich werde einem pöbelhaften Umgang, wie ihn etliche Renovierungsgegner in der letzten Gemeindeversammlung gezeigt haben, hier kein Forum bieten!

Dr. Alexander Horch

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“

Folgender Brief erreichte die Friedensgemeinde kürzlich:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind zwar keine Gemeindeglieder der Friedensgemeinde, doch besuchen wir seit Jahren Konzerte in Ihrer
Kirche. In diesem Zusammenhang hörten wir von Ihren Renovierungsplänen und den teilweise heftigen Begleitdiskussionen. Neugierig geworden, was Sache ist, verfolgten wir Ihre hervorragende Präsentation im Internet.
Beeindruckt hat uns die gründliche Vorbereitung des Projekts. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Heraus kam keine radikale Modernisierung, sondern eine gelungene Verbindung von Tradition und Moderne. Das nun vor der Realisierung stehende Konzept ist in sich schlüssig. Natürlich kann man im Detail anderer Auffassung sein, doch sollte man ein von den Verantwortlichen sorgfältig erarbeitetes Gesamtkonzept nicht mit einer unsinnigen Detaildiskussion zerpflücken. Die Summe aller Details gibt bekanntlich noch lange kein schlüssiges Ganzes.
Die Verantwortlichen haben sich jahrelang mit großem Engagement für dieses Projekt eingesetzt. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung. Lassen Sie sich nicht entmutigen und bringen Sie das Vorhaben wie geplant, zu einem guten Ende.
Der Friedensgemeinde wünschen wir, dass sie nach den heftigen Diskussionen ihrem Namen in einem behutsam renovierten Gotteshaus wieder alle Ehre macht.
Mit freundlichen Grüssen

Marianne und Manfred Klepser
74366 Kirchheim a.N.

Wir sparen weiter!

Auch am Samstag den 26. Februar werden wir wir in Eigenleistung einige der anstehenden Arbeiten in der Friedenskirche erledigen. Diesmal wird es laut, denn die Bodenfliesen werden entfernt, damit Platz geschaffen wird für eine lange ersehnte Fussbodenheizung.

Damit sparen wir der Gemeinde doppelt: Wir sparen Handwerkerleistungen, die somit gar nicht bezahlt werden müssen, und bekommen von der Pflege Schönau die entsprechenden Arbeitsstunden sogar vergütet. Dadurch senken wir den Eigenanteil der Friedensgemeinde am Umbau um einige Zehntausend Euro!

Noch einmal herzlichen Dank an alle fleissigen Helfer des letzten Samstags. Es geht weiter! Vieles wird noch auf ähnliche Weise erarbeitet in den nächsten Monaten. Zum Beispiel wird das fürchterliche Knarren der Bodendielen auf den Emporen (das wirklich jeden störte) durch Eigenarbeit behoben werden. Das dauert aber noch.

Wer die gute Stimmung, das gute Essen und den Stolz in den staubbedecken Gesichtern aller Helfer am letzten Samstag sah, der wird sich sicher sofort anmelden wollen. Das geht. Bitte einfach auf der Homepage nachschauen und an Herrn Ehrenberg schreiben.

Es gibt einen Beschluss – so ist die Sachlage

So ist die Sachlage:
weil wir wollen, dass für alle größtmögliche Klarheit herrscht

Der Bauausschuss der evangelischen Stadtsynode hat am 16. September 2009 mit großer Mehrheit dem von den Ältestenkreisen der Friedensgemeinde vorgeschlagenen Renovierungskonzept in seiner Gesamtheit und ohne weitere Bedingungen (z.B. Bestätigung durch Gemeindemehrheit) zugestimmt. Dieser Beschluss ist formell der entscheidende Beschluss im mehrjährigen Planungs- und Schlichtungsverfahren.
Auf ihm beruhen alle weiteren Schritte seit September 2009:

  • Weitere Detailplanung
  • Bauantrag
  • Baugenehmigung und Baufreigabe
  • Ausschreibung der Gewerke und Auftragsvergabe
  • Beginn der Bauarbeiten und Eigenleistungen:
    • Ausbau der Kirchenbänke und Verwertung durch den Talhof
    • Demontage der Prinzipalien
    • Demontage des Windfangs
    • Abschlagen der Bodenfliesen
    • Abbruch der Altarstufen
    • Aufbau des Stufenmodells

Die begonnen Arbeiten in der Kirche sind somit durch den Beschluss des Bauausschusses vom September 2009 vollständig gedeckt.

Dieser Beschluss des Bauausschusses war das Ergebnis einer weiteren Schlichtungsrunde zwischen Befürwortern und Gegnern der Renovierungspläne. Es war die insgesamt vierte Schlichtungsrunde seit Januar 2009. Das Verfahren vor dem Bauausschuss der Stadtsynode war von den Vertretern der Initiativen erstritten und durchgesetzt worden. Bis heute jedoch wird das Ergebnis dieser Beratungen von den Initiativen nicht akzeptiert.

Alt und jung – Hand in Hand

Es ist Samstag 9.00. Viele Menschen versammeln sich in der Kirche, etliche tragen Arbeitskleidung, Werkzeug aber auch Wasserkisten, Kuchen und deftiges Essen. Heute begann der Arbeitseinsatz der Gemeinde in der Friedenskirche. Jede und jeder war eingeladen zum Helfen: Essen bereitstellen, Kinder betreuen und natürlich die Renovierung mit vorbereiten. Es gab viel zu tun: Die restlichen Bänke des Erdgeschosses wurden – behutsam für die weitere Lagerung – entfernt. Der Altarsockel wurde abgebaut und der Windfang wurde abgebrochen. Auch einmal ist wieder von allen Stellen der Kirche das schöne Farbfenster über dem Eingang zu sehen, das die St. Vitus Kirche darstellt. Dieses Zeichen der Verbundenheit beider Kirchen in Handschuhsheim ist wieder sichtbarer geworden!
Die Arbeit ging schnell voran, so dass alle sich bereits um 13.00 um Abschlussmittagessen um einen grossen Tisch im Chorsaal sammeln konnten. Wie fröhlich wurde dort gegessen und auf das Tageswerk zurückgeschaut: Alt und jung arbeiteten voller Energie und Freude zusammen dass es eine Freude war. Es gab genug zu tun, so dass für jeden etwas Passendes dabei war, egal ob 8 oder (fast) 80 Jahre.
Es fand sich auch etwas, das war satte 122 Jahre alt! Unter einigen Bänken fanden sich noch Münzen aus der Zeit der Einweihung und danach. Die älteste dieser Münzen war ein Reichspfennig von 1889! Weitere Münzen datierten aus den 20er, 40er, 50er, 70, 80er und natürlich auch 2000er Jahren. So erzählen die verlorenen Münzen ihre ganz eigene Geschichte der Friedenskirche.
Aber nicht nur die Menschen, die ihre Kirche selbst in die Hand nehmen und um- und mitgestalten verändern sich durch die Teilnahme. Wie anders sieht die Friedenskirche aus, wenn die gewaltigen dunklen Bänke den Blick nicht mehr verstellen. Was für ein wunderbarer Raum für Handschuhsheim.
Es gibt noch viel zu tun! Wenn Sie Lust haben, dies selbst mitzuerleben, wenden Sie sich bitte an Herrn Ehrenberg: ehrenberggottfried@email.de.
Am 26. Februar ab 9.00 geht es weiter!

Warum wurden die Bänke in der Kirche zersägt?

Kommentar zum Protest gegen das Zersägen der Kirchenbänke.
Als vor einigen Jahren die Heiliggeistkirche renoviert wurde, hat man deren Gestühl ersetzt. Die alten Stühle sind damals vom „Talhof“ zu Möbeln (z.B. Tische und sogenannte Taizé-Kniebänke) umgearbeitet worden. Der Talhof ist eine diakonische Einrichtung in Schriesheim. Er betreibt dort eine Schreinerei. In ihr finden wohnungslose Menschen Arbeit und können eine Ausbildung machen. Auch die Bänke der Friedenskirche wurden teilweise dem Talhof zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt. Die Überlegung, die dahinter stand, war: die Kirchenbänke sollten nicht in privaten Gärten verwittern, sondern sozial verantwortlich verwertet werden. Die Schreiner und Arbeiter des Talhof mussten die Bänke vorort zerlegen, denn sie hatten technisch nicht die Möglichkeit, die Bänke als ganze zu transportieren. Für die Weiterverarbeitung benötigen sie das Holz ohnehin nur in Stücken. Im Gegensatz zu den Stühlen der Heiliggeistkirche sind die Bänke der Friedenskirche nicht aus Eichenholz, sondern aus Weichholz (Fichte oder Tanne). Solches Holz ist nur eingeschränkt brauchbar für die Herstellung von Möbeln und nicht alle Teile der Bänke sind zu verwenden. Das Zerlegen mit Hilfe von Motorsägen mutete in der Tat martialisch an. Verschiedene Menschen, in erster Linie die Mitarbeitenden der Friedenskirche, die es unmittelbar miterlebten, waren darüber verstört. Dass der Talhof das Holz rasch und effizient in seine Werkstatt schaffen wollte, darf man ihm aber nicht vorwerfen. Die noch in der Kirche befindlichen Bänke, die zum Ausbau anstehen, werden behutsamer behandelt und am Stück entfernt. Den Talhof mit seiner sozialen Arbeit unterstützt unsere Gemeinde übrigens seit Jahren finanziell und ideell.