Archiv für den Monat November 2011

Alte Schätze werden freigelegt

Dass die neue Friedenskirche durchaus behutsam mit ihrer Vergangenheit und Tradition umzugehen weiß, sieht man schon jetzt auf der Baustelle. Die Malerarbeiten im Haupt-Kirchenraum sind beendet. Und im Zuge dessen wurden auch die Fliesen mit dem Weinlaubmotiv an den Seitenwänden wieder freigelegt. Es stellte sich heraus, dass noch weit mehr Fliesen als ursprünglich gedacht unter dem Putz erhalten waren. Sie wurden bei der vorhergehende Renovierung 1959/60 übergeputzt. Hier ein paar Eindrücke der freigelegten Schätze:

Freigelegte Fliesen mit Weinlaub-Motiv im Seitenschiff links

Vom Boden bis etwa in Schulterhöhe reichen die Fliesen. Man findet sie in den beiden Seitenschiffen und im hinteren Bereich der Kirche umlaufend.

Auch im Eingangsbereich der Kirche sind die Fliesen erhalten und wurden freigelegt.

Die Architektur der „neuen“ Friedenskirche führt das Gespräch mit der Vergangenheit. Die neuen Bodenfliesen der Kirche nehmen den dunklen Farbton der Wandfliesen auf. Im Bereich des Taufsteins wird das Weinlaub-Motiv auch in den neuen Bodenfliesen aufgenommen. Der Gelbton vom oberen Abschluss der Wandfliesen korrespondiert mit dem hellen Farbton der Kirche insgesamt und dem Farbton der Stufenanlage.

Wollen Sie mal einen Blick durch’s Schlüsselloch werfen? In den nächsten Wochen und Monaten wird es immer wieder sonntags nach dem Gottesdienst kleine „Baustellenbesichtigungen“ geben. Die erste in knapp zwei Wochen: Am Sonntag, 4. Dezember, nach dem Gottesdienst im Gemeindehaus, also ca. 11.15 Uhr. Kommen Sie und schauen Sie, wie sich die Friedenskirche schon verändert hat!

Florale Fussbodenfliesen Friedenskirche

Die Idee, florale Formen in Fussbodenfliesen aufzunehmen ist wirklich schön, es wurde an anderer Stelle im Blog schon davon berichtet.
Neu ist sie jedoch nicht, wie diese beiden Bilder aus korsischen Kirchen zeigen.

Innehalten ist Luxus. Gedanken zum Buß- und Bettag

Nie war er so wertvoll wie heute – der Buß- und Bettag. Einst ein arbeitsfreier evangelischer Feiertag. Dann kam er unter die Räder von wirtschaftlichen Interessen. Wurde als Tag des gesellschaftlichen Innehaltens und Besinnens geopfert, um die Arbeitgeberanteile der Pflegeversicherung gegenzufinanzieren.

Und jetzt? Jetzt haben wir selber das Gefühl, unter die Räder zu kommen.

Die Krise ist zum Dauerzustand geworden. Und keiner kennt den Fluchtweg. Griechenland am Abgrund, Italien in Gefahr. Der Euro im Taumel. Politiker in hektischer Betriebsamkeit. Untergangspropheten und Schönredner wechseln sich ab im allgegenwärtigen Mediengetöse.

Und wir Nachrichten-Konsumenten, Verbraucher und Bank-Kunden, Arbeits-suchende und Arbeitnehmer und ganz schlicht Zeitgenossen haben längst den Überblick verloren. Und das Vertrauen.

Eine Umfrage brachte es dieser Tage ans Licht: Klägliche 8,3 Prozent aller Deutschen trauen Politikern noch Weisheit und Lösungskompetenz zu. Statt dessen zeichnen die Deutschen ein beunruhigendes Bild ihrer Gesellschaft. 86 Prozent beklagen eine wachsende Gier nach immer mehr. Sie sehen überbordenden Egoismus und Individualismus als „gesellschaftliches Störfeuer“, bemängeln Unfairness und Illoyalität im menschlichen Miteinander, erleben zu viel Eitelkeit und Selbstgefälligkeit in sozialen Beziehungen. Dagegen beseelt zwei Drittel aller Deutschen ein großer Traum: Ein „Gerechtigkeitstest“ für politische Entscheidungen.

So viele Menschen beschleicht der Gedanke: „So kann es einfach nicht weiter gehen!“ Es ist allerhöchste Zeit, inne zu halten! Wer sich aus dem Schuldensumpf befreien will, darf nicht einfach weiter strampeln. Wer sich aus Verstrickungen der Schuld lösen will, darf nicht einfach weiter machen wie bisher.

Die Botschaft des Buß- und Bettages lautet: Der ehrliche Blick auf das eigene Leben tut gut. Und er ist ein wirksames Mittel gegen Resignation.

Denn dieser Blick aufs eigene Leben sieht die Fehler. Er nimmt aber auch die Stärken und Fähigkeiten wahr. Und daraus kann wieder Vertrauen wachsen.

Wer innehalten kann, nimmt sich die Freiheit, selbst zu denken. Nimmt sich die Freiheit, das Leben selbst zu gestalten. Den eigenen Sinn zu finden, ein eigenes Ziel zu setzen, die Freude am Leben zu spüren.

Innehalten und sich besinnen – das ist der große Luxus dieser Tage. Heute ist eine Gelegenheit dazu. Heute ist Buß- und Bettag.

Quelle: Gedanken zum Buß- und Bettag
hr2-kultur: Mikado - Kultur am Morgen
16. Nov. 2011, 7:05 Uhr

Ein Haus der lebendigen Steine

„Die Evangelische Kirche in Deutschland ist ein offenes und missionarisches Haus. Weil sie darauf vertraut, dass Gottes Geist die lebendigen Steine auch gegenwärtig mit neuem Wind bewegt, hat sie den Mut zu Reformen, den Mut umzubauen, hinderliche Mauern und Wände abzureißen und neue Räume zu entwerfen und zu bewohnen. Und sie tut das nicht in blindem Reformeifer zur Selbstprofilierung, sondern gebunden an das Wort der Heiligen Schrift mit einem dankbaren Blick zurück auf wegweisende Erfahrungen der Vergangenheit und mit einem hoffnungsvollen Blick nach vorn auf zukünftige Aufgaben. In dieser Perspektive stellen wir uns heute den Reformerfordernissen“

So sagte es Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der EKD, in seinem Bericht vor der in Magdeburg tagenden Synode der EKD 2011. (Hervorhebungen von mir)

Ich finde, das ist ein Satz, der sehr gut Grund und Ziel der Renovierung der Friedenskirche beschreibt und zugleich kritischer Maßstab ist. Was meinen Sie?