Archiv für den Monat Dezember 2015

Auf dem Weg zur Krippe

„Sieh, die gute Zeit ist nah…“

Adventsweg in der Friedenskirche

adventsweg

Advent ist Zeit der Erwartung und der Vorbereitung. Alle warten gespannt darauf, dass Weihnachten wird, erwarten die Ankuft des Herrn, die Geburt Jesu.
In der Friedenskirche konnte dieses Warten in der Adventszeit spürbar werden. In den vergangenen Tagen wuchs ein Adventsweg auf der Stufenanlage. Figuren näherten sich der Krippe. Das Licht hat zugenommen. Dazu waren Texte zu hören, die anregen, das Geschehen von Advent und Weihnachten zu bedenken und zu meditieren.

In den kommenden Tagen laden wir sehr herzlich ein zu unseren Weihnachtsgottesdiensten. Vom Krippenspiel an Heiligabend um 15:30 Uhr bis zum Ökumenischen Gottesdienst zum Epiphanias-Fest am 6. Januar um 11 Uhr in der St. Vitus-Kirche.

 

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Zeitzeugen über die Nachkriegsjahre in Handschuhsheim

Verschwörung des Schweigens


Wie war das damals, als der Zweite Weltkrieg endlich vorüber war? Wie gingen Handschuhsheimer Christen, wie ging die Friedensgemeinde, auch in den Jahrzehnten danach, mit den Erfahrungen und Verstrickungen in der Zeit des Nationalsozialismus um?

In einem Zeitzeugengespräch erzählten Ende September fünf Handschuhsheimer und eine Handschuhsheimerin der Jahrgänge 1926 bis 1941, alle konfirmiert in der Friedenskirche während der 1940er und frühen 1950er Jahre, was sie in der Gemeinde, mit den Pfarrern der Kriegszeit und mit deren Nachfolgern erlebt haben.

Eingeladen dazu hatte Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle gemeinsam mit dem Religionspädagogen und Kirchenhistoriker Eckhart Marggraf. Damit sollte der Ökumenischen Abend „Aufarbeiten oder schweigen?“ vorbereitet werden (wir haben die Berichterstattung der RNZ über diesen Abend auf unserer Facebook-Seite dokumentiert). Prof. Staehle hat das Gespräch in einer Fassung dokumentiert, die alle Beteiligten zur Veröffentlichung autorisiert haben. Ihre Berichte und Eindrücke fügen sich zu einem lebendigen, vielschichtigen und facettenreichen Bild – einem Zeugnis der Zeitgeschichte in Handschuhsheim.

Die vollständige Dokumentation als PDF-Datei können Sie hier herunterladen und lesen.

Uns interessiert: Welche eigenen Erinnerungen haben Sie an diese Zeit? Welche Fragen oder Ansichten dazu?
 Ihre Kommentare und Ergänzungen sind uns herzlich willlkommen! Nutzen Sie die Kommentarfunktion hier im Blog oder auf unserer Facebook-Seite.

Einige Auszüge aus dem Gespräch:

„Die politischen Hintergründe waren uns damals völlig unbekannt, auch was die Positionen der beiden Handschuhsheimer Pfarrer anging. In den Predigten wurde Propaganda für das NS-Regime betrieben, das war für uns eine Selbstverständlichkeit. Etwas anderes hätte uns geradezu stutzig gemacht.“

„Man muss sich vorstellen, das waren in den Nachkriegsjahren über 300 Kinder im Kindergottesdienst. Ich bin nach einer gewissen Zeit nicht mehr in den Kindergottesdienst nach Handschuhsheim gegangen, weil es mir dort schlicht und einfach zu laut war.“

„Handschuhsheim war vor, während und nach der NS-Zeit führend, wenn es um rechtsradikale Parteien ging. Noch Mitte der 1960er Jahre hatte die NPD einen Wähleranteil von teilweise über 15 Prozent. Als die Lyrikerin Hilde Domin in der Nachkriegszeit im Hainsbachweg von Handschuhsheim gewohnt hat, sind Neonazis mit Schäferhunden wochenlang vor ihrem Haus aufmarschiert und haben geschrien ‚Juden raus‘.“

„Es gab auf der Ebene der Kirchengemeinden keine Auseinandersetzung über die Zeit des Nationalsozialismus. Es existierte zwar eine ganze Reihe von Gesprächsgruppen und -kreisen, die sich regelmäßig trafen. Aber das ist alles nicht in die Gemeinde hineingedrungen. Jeder hat einen großen Bogen darum gemacht.“

„Diejenigen, die das NS-Regime tatkräftig gestützt hatten, haben sich nach dem Krieg als ‚verführte‘ Opfer dargestellt. Eine echte Entnazifizierung hat es in der Kirche nicht gegeben.“

„Man hatte ein schlechtes Gewissen und Scham. Jeder wusste was vom anderen, das hat zu dieser ‚Verschwörung des Schweigens‘ geführt. Man durfte nicht daran rühren.“

„Der Handschuhsheimer Pfarrer Liedke hat 1990, also immerhin 45 Jahre nach dem Krieg, in einer Predigt für den Jahrgang einer Goldenen Konfirmation das Thema erstmals angeschnitten und dabei die Pfarrer Höfer und Vogelmann mit ihren NS-Sprüchen zitiert. Das kam bei einigen Teilen der Gemeinde nicht gut an.“

„Wie kommt es, dass damals (in den 1950ern) die Gemeinde so lebendig war? … Wo gab es denn beispielsweise sonst in Deutschland einen evangelischen Posaunenchor, der den Katholiken bei Fronleichnam ausgeholfen hat? Solche Sachen sollte man erzählen.“

Ihre Kommentare zu diesen Erinnerungen bzw. zu dem gesamten Gespräch können Sie hier ganz einfach über die Kommentarfunkton eingeben!

Der Weg zur Mitte

Das Advents-Labyrinth in der neuen Friedenskirche

Fast zehn Tage lang füllte ein großes Advents-Labyrinth den Innenraum der neuen Friedenskirche. Viele Menschen haben diese besondere Atmosphäre genutzt für einen stillen Weg nach Innen in der oft hektischen Adventszeit.

Hier haben wir ein paar bildliche Eindrücke für Sie. Dazu Reaktionen von Besuchern der Friedenskirche aus unserem Besucherbuch.

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„Tolle Idee mit dem Labyrinth. Vielen Dank“

„Ich musste noch mal kommen und mich wieder auf den Weg machen. Danke! Schön wäre es, noch öfter sich auf den Weg zur Mitte machen zu können.“

„Es ist eine Geschenk, ganz bei sich in der Kirche sein zu dürfen und diesen Weg zur Mitte zu gehen. Lieber Gott, gib uns unser Mitgefühl für alle die Menschen, die auf der Flucht sind, lass uns nicht misstrauisch sein sondern fürsorglich zu ihnen. Ich selbst habe vor vielen Jahren eine so große, liebevolle und herzliche Gastfreundschaft bei den ärmsten Menschen in Gambia erlebt, dass ich mich manchmal für uns hier in Deutschland schäme, wenn wir abwägen oder überlegen, was es uns bringt, zu helfen… Seien wir gnädig. (…)“

„Danke für das Licht im Labyrinth – und das der Weg vorgezeichnet ist, uns zielgerichtet hinein- und wieder herausführt.“

Besucherin

„Danke für die wunderbaren stillen Minuten während des Gehens des Advents-Labyrinths. Eine wunderbare Idee.“

(Klicken für Bildergalerie
Fotos: Wilke/ekihd, Garleff)

„Schönes Labyrinth. Sieht aus wie ein riesiger Baum!“

„Gehen – Licht – Orgelmusik – Tränen fließen lassen – etwas Frieden finden – Dankbarkeit – Leben – Gemeinsam auf den Weg machen.“