Archiv für den Monat Juli 2018

Ein Labyrinth im Paradies

Die Friedensgemeinde sucht einen Kirchengarten

Im Gemeindebrief und auf der jüngsten Gemeindeversammlung hat Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs die Idee vorgestellt: Ein Kirchengarten in der Friedensgemeinde für die Menschen in Handschuhsheim. Was hinter der Idee steckt und wie aus der Idee Wirklichkeit werden kann, das beschreibt Martina Reister-Ulrichs hier:

 

Photo by Emiel Molenaar/Unsplash

Auf meinen Spaziergängen durchs Handschuhsheimer Feld träume ich manchmal davon, dass hier auf einem Platz unter freiem Himmel ein dauerhaft begehbares Labyrinth entstehen könnte, wie es inzwischen an vielen Orten in Deutschland und weltweit der Fall ist. Da gibt es Rosen- und Lavendellabyrinthe, Rasen- und Steinlabyrinthe. Schöne Beispiele finden Sie auf dieser Internetseite.

Der Gottesdienst, den wir am 3. Juni dieses Jahres auf dem Gelände der Gärtnerei Stockert gefeiert haben, hat mich darin bestärkt, in diese Richtung weiter zu denken. Das Handschuhsheimer Feld ist neben einer gewachsenen und sich stetig wandelnden Kulturlandschaft auch ein wichtiges Naherholungsgebiet. Viele Spaziergängerinnen, Jogger und Walkinggruppen drehen dort regelmäßig ihre Runden, mit und ohne Hund.

In einem Labyrinth könnten sie und viele andere neben frischer Luft, offenem Himmel und den sich je nach Jahreszeit wandelnden Äckern, Feldern und Wiesen auch spirituell Kraft tanken. Das passiert nämlich beim Abschreiten eines Labyrinths. Der vorgegebene Weg mit seinen zahlreichen Windungen und Wendungen wird durchlässig für die eigenen Lebenswege mit ihren Umwegen und zusätzlichen Schleifen, die manchmal weit weg von einem Ziel und doch zielstrebig zu einer Mitte führen.

Photo by Ashley Batz/Unsplash

Photo by Markus Spiske/Unsplash

Das Labyrinth könnte Teil eines großen Kirchengartens im Feld werden. Kindergartenkinder könnten dort Kräuterschnecken anlegen oder Gemüse anbauen. Der Waldtreff könnte seine Angebotspalette zum Feldtreff erweitern und Kinder und Jugendliche zum Gärtnern und zu einem sensiblen Umgang mit Mutter Erde anleiten. Es könnte dort auch ein Demenzgarten mit Hochbeeten entstehen, der den Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn aktiviert und bei Menschen mit dementiellen Erkrankungen vielfältige Erinnerungen freisetzt.

Vielleicht haben Sie ja gute Ideen, ein Stück Land, praktische Tipps, zwei grüne Daumen, langjährige Erfahrungen als Landschaftsgärtner, die nötigen Kontakte oder einfach Lust, mit anderen zusammen Träume wahr werden zu lassen.

Dann melden Sie sich bitte bei Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs,
gerne per Mail an m.reister-ulrichs[at]ekihd.de
oder am Telefon: 06221-6560-232.

 

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Was passiert beim Abendmahl?

Gott ist da!

Von Pfrarrerin Martina Reister-Ulrichs

Mein erstes Abendmahl war eine herbe Enttäuschung. Am Ende der Konfirmandenzeit war es endlich so weit. Was bis dato unter dem Schleier des Verbotenen verborgen war, sollte endlich sein Geheimnis preis geben. Ich war gespannt und erwartete nicht weniger als den Einschlag des Heiligen Geistes, eine Art Erleuchtung, etwas nie zuvor da Gewesenes. Nichts dergleichen geschah. Ein Stück trockenes Brot und ein Schluck ungewohnten Weins waren alles, was ich schmeckte. Oder wurde damals Traubensaft gereicht? Ich weiß es nicht mehr.

Seither hat sich viel verändert in der Kirche und in meiner persönlichen Wahrnehmung. Seit den 1990er Jahren werden in den evangelischen Landeskirchen alle Getauften, auch Kinder, zum Abendmahl eingeladen, weil die Kirchen erkannt haben, dass sich durch regelmäßiges Erleben mehr vermittelt als durch Aufklärungsarbeit, und dass es mehr um das Erschließen eines Erfahrungshorizontes geht als um Geheimniskrämerei.

Ein Blick in die Bibel verrät uns, dass Jesus „in der Nacht, da er verraten ward,“ an einem zum Passafest mit vielen symbolischen Speisen reich gedeckten Tisch zwei mit einer neuen Bedeutung versieht: „Er nahm das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, so oft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.“ (1. Korinther 11, 23-25)

Foto: James Coleman/unsplashDie evangelische Kirche kennt zwei Sakramente: die heilige Taufe und das heilige Abendmahl. Die Taufe ist das Sakrament des Anfangs, bei dem Christus sich mit dem/der einzelnen Gläubigen verbindet. Sie ist ein für alle Mal gültig und wird ökumenisch von den christlichen Kirchen gegenseitig anerkannt. Das Abendmahl ist das Sakrament des Bleibens, bei dem Christus sich mit der Gemeinschaft der Gläubigen und diese untereinander verbindet. Es begleitet Menschen auf dem Weg als Christen wie das tägliche Brot und wird immer wieder gefeiert.

In der Ökumene aber tun sich Hürden auf, denn es besteht bis heute Uneinigkeit in der Frage, wie der auferstanden Christus in den Elementen gegenwärtig ist. Werden Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt? Oder weisen Brot und Wein nur auf ihn hin? Im Theologiestudium habe ich mir mit Feuereifer darüber den Kopf zerbrochen.

Als Pfarrerin habe ich je länger je mehr gemerkt, dass es mir auf die verstandesmäßige Durchdringung dessen, was sich da vollzieht, nicht hauptsächlich ankommt. Ich entdecke Tränen in den in den Augen der Menschen, denen ich Brot und Kelch reiche. Ich spüre eine tiefe Verbundenheit mit der Gemeinschaft der Feiernden. Ich werde gestärkt. Ich vertraue der Kraft des Rituals. Ich glaube fest, dass Gott hier am Werke ist und dass ich nicht begreifen muss, wie: Er weiß viel tausend Weisen. Ich freue mich darüber, dass Gott es uns ganz leicht macht, weil es beim Essen und Trinken um elementare Vollzüge geht, die jeder Mensch braucht. Nimm und iss. Gott ist da. Du bist nicht allein. Mehr nicht. Weniger nicht.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem neuen Gemeindebrief der Friedensgemeinde. Unser Thema der aktuellen Ausgabe: „Zu Tisch! Ein Fest für Leib und Seele.“ Sie können den Gemeindebrief hier herunterladen.

 

Fotos: Lothar Bauerochse; James Coleman on Unsplash

Rikscha und Gartenlandschaften

Die Rikscha rollte zum Sommerfest vor

Am vergangenen Sonntag (1. Juli) war sie endlich die: Die Friedensgemeinde-Rikscha, die durch eine Spendenaktion finanziert werden konnte. Ab jetzt steht sie Menschen in Handschuhsheim, die nicht mehr so beweglich sind, zur Verfügung für Besuche, kleine Besorgungen oder Ausflüge.

 

Der weitere Tag stand im Zeichen eines paradiesischen Sommerfestes.

Es war wirklich ein Sommerfest unter strahlend blauem Himmel. Der Altar umrankt von Grün und Blüten und Licht. Heitere und vertraute Gespräche unter den Sonnenschirmen auf dem Platz vor dem Gemeindehaus. Strahlende Jungbläser. Das Regenbogenfisch-Theater des Kindergartens in der Tischbeinstraße. Und vor allem: Die Gemeinde begrüßt und begutachtet die neue Gemeinde-Rikscha, die nach dem Gottesdienst feierlich in den Dienst genommen wurde.

Hier Eindrücke vom Fest (klicken zum Start der Fotogalerie)

 

Fotos: Bauerochse